Ehe für alle

Mit der geplanten Gesetzesänderung für die Ehe für alle soll die Ehe zukünftig auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen. Bislang steht solchen Paaren nur die sogenannte eingetragene Partnerschaft zur Verfügung. Diese ist zwar vergleichbar mit einer Ehe, doch gibt es Einschränkungen in den Bereichen Adoption, Fortpflanzungsmedizin, und Einbürgerung.

Gegen die Gesetzesänderung wurde das Referendum ergriffen, somit hat das Volk das letzte Wort.

Für mich gehört die Vorlage in die Kategorie "Weshalb ist dies nicht schon längst umgesetzt?". Die Ehe betrachte ich nüchtern als eine amtlich registrierte Beziehung zwischen zwei volljährigen Personen, die gewisse Rechte und Pflichten mit sich bringt. Das Geschlecht der involvierten Personen kommt in dieser Definition bewusst nicht vor, weil es irrelevant ist für das Konzept der Ehe.

Wie unsinnig die heutige Regelung ist, lässt sich am besten mittels Gedankenexperimenten aufzeigen.

Angenommen, eine ausländische Frau heiratet einen Schweizer Mann. Dann profitiert sie von einer erleichterten Einbürgerung. Ersetzen wir den Schweizer Mann durch eine Schweizer Frau, dann fällt die erleichterte Einbürgerung weg, obwohl es sich immer noch um die gleiche ausländische Frau handelt. Weshalb das Geschlecht einer bestimmten Person einen Einfluss auf die Einbürgerung einer anderen Person hat, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Für das zweite Gedankenexperiment betrachten wir ein gemischtgeschlechtliches Ehepaar. Dieses darf Kinder adoptieren. Nun führt entweder der Mann oder die Frau eine Geschlechtsumwandlung durch. Da die Ehe bestehen bleibt, darf dieses Paar weiterhin Kinder adoptieren. Anders sieht es bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aus, dieses Paar darf keine Kinder adoptieren. Dies ist ein Widerspruch, handelt es sich doch in beiden Fällen um ein gleichgeschlechtliches Paar: im einen Fall um ein "künstliches", und im anderen Fall um ein "natürliches".

Fazit: Ich sage Ja zur Ehe für alle, weil die aktuelle Umsetzung – mit der Ehe für gemischtgeschlechtliche Paare bzw. der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare – konzeptionelle Fehler aufweist, die wegfallen, wenn das Geschlecht der involvierten Personen keine Rolle mehr spielt.